Schweiz
Konsum - Detailhandel

Migros-Regale für Getreideflocken bleiben leer – Gründe unklar

Noch mehr leere Migros-Regale: Jetzt fehlen plötzlich Getreideflocken

In den Supermärkten sind beim Getreidesortiment derzeit nicht alle Produkte verfügbar. Es sind nicht die einzigen Lücken. Nun überlegt sich die Migros eine neue Strategie, um die Preise zu senken.
23.01.2026, 06:4523.01.2026, 09:30
Benjamin Weinmann / ch media

Sabrina F.* (Name der Redaktion bekannt) kauft regelmässig Getreideflocken in ihrer Migros-Filiale in Zürich. «Ich benutze die Flocken, um die süssen Frühstücksmüesli für meine beiden Kinder zu strecken, damit der erste Zuckerschock am Morgen weniger einfährt», sagt die CH-Media-Leserin.

Lücken in einer Zürcher Migros-Filiale: Wo sind all die Flocken hin?
Lücken in einer Zürcher Migros-Filiale: Wo sind all die Flocken hin?Bild: kus

Nicht gerade einen Schock, aber eine negative Überraschung erlebte Sabrina F. jedoch bei ihrem letzten Einkauf in der Migros: Die Getreideflocken fehlten im Regal. Nicht nur ihre bevorzugte Variante, die Bio-5-Flocken-Packungen, «auch praktisch alle anderen».

«Vielleicht sind auch anderen Konsumenten die Müesli zu süss und sie wollen das im Januar nach den vielen Weihnachtsschleckereien ändern», mutmasst die Kundin. Sind es tatsächlich die guten Neujahrsvorsätze der Kundschaft, die zum Flocken-Frust im Regal führen?

Oder hat es mit den Preisverhandlungen der Migros zu tun? Diese führten zuletzt gleich bei mehreren bekannten Produkten zu Lieferunterbrüchen wie Lindt, Toblerone, Thomy, Perwoll, Pepsi oder Rio Mare, wie CH Media aufdeckte. Ein Augenschein in einer anderen Filiale zeigt, dass es bei mehreren Flocken-Preisschildern heisst: Lieferunterbruch.

Werweissen über die Gründe

Die Migros hat keine abschliessende Erklärung parat. Sprecherin Laura Dikhoff bestätigt, dass man «aktuell eine erhöhte Nachfrage im Cerealien-Sortiment» feststelle. Dadurch könne es «vereinzelt und kurzfristig» zu Lücken in den Regalen kommen. Doch was sind die Gründe für diese erhöhte Nachfrage? Dieser Frage gehe man derzeit nach, sagt Dikhoff.

Veränderungen im Kaufverhalten unserer Kundinnen und Kunden würden immer wieder auftreten, sagt die Sprecherin. «Diese können von verschiedenen Faktoren wie Trends oder externen Einflüssen, wie etwa Empfehlungen in den Medien oder veränderten Essgewohnheiten, beeinflusst werden.» Möglicherweise tragen auch Kunden der seit Ende 2025 geschlossenen Alnatura-Filialen zum Engpass bei. Tatsächlich heisst es auch bei Coop, dass die Cerealien-Nachfrage derzeit besonders hoch ist. Allerdings seien alle Produkte verfügbar.

Edeka-Manager soll Druck erhöhen

Leere Regale dürften bei der Migros allerdings auch in den kommenden Monaten an der Tagesordnung sein. Denn sie befindet sich nach wie vor mit grossen Markenlieferanten in Preisverhandlungen. Dabei fokussiert sich Migros-Chef Mario Irminger auf rund 60 Firmen. Mit rund der Hälfte habe man die Verhandlungen inzwischen abschliessen können, wie es aus Insider-Kreisen heisst.

Mario Irminger, Praesident der Generaldirektion MGB, .spricht waehrend der Bilanzmedienkonferenz der Migros, am Dienstag, 25. Maerz 2025 in Zuerich. (KEYSTONE/Michael Buholzer)
Migros-Chef Mario Irminger.Bild: keystone

Intern ist zu vernehmen, dass es der Migros um den sogenannten Bestwert-Abgleich geht. Denn in der Vergangenheit hatten die Migros-Supermärkte, Denner, Migrolino und Migros Online jeweils in Eigenregie mit den Markenherstellern verhandelt – und dabei unterschiedliche Preise herausgeholt. Dabei gab es Unterschiede von bis zu 20 Prozent, im Vergleich zum Ausland sogar bis zu 30 Prozent. Nun soll der ehemalige Edeka-Manager Florian Decker als Einkaufschef für die gesamte Migros-Gruppe dafür sorgen, dass alle Geschäfte den gleichen und tiefsten Preis erhalten.

Mit diesem Powerplay möchte die Migros ihre Tiefpreisstrategie finanzieren. Denn Irminger hat angekündigt, dass man 500 Millionen Franken in günstigere Preise investiert, und zwar bei den rund 1000 wichtigsten Artikeln, die es auch bei Konkurrenten wie Aldi und Lidl gibt. Bei diesen – so glaubt die Migros – entscheidet sich die Wahl des Geschäfts für die Kundinnen und Kunden.

So geht Coop vor

Fragt sich allerdings, wie lange die Migros die Lücken im Regal aushalten kann. Denn wenn die Lieblingsprodukte fehlen, drohen die Kundinnen und Kunden zur Konkurrenz abzuwandern. So könnten aus kurzfristigen plötzlich längerfristige Umsatzeinbussen resultieren.

Meistens kommt es in solchen Fällen irgendwann zu einer Einigung. Dass es aber auch anders geht, zeigte zuletzt Coop. Nachdem sich der Migros-Konkurrent 2022 mit dem US-Riesen Mars in den Preisverhandlungen nicht einigen konnte, stoppte Coop bis heute den Einkauf zahlreicher «Ben's Original»-Reis-Produkten.

2024 lancierte der Händler gar eine direkte Kopie mit der Eigenmarke «Tom's Best» (CH Media berichtete). Vergangenen Februar sagte Coop-Chef Philipp Wyss im Interview zum Streit mit Mars: «Wenn sie wettbewerbsfähige Preise bieten, werden wir Ben’s Original wieder ins Regal nehmen. Sonst nicht. Unsere Eigenmarke, Tom’s Best, kommt bei der Kundschaft inzwischen sehr gut an.»

Mehr Macht dank Allianz?

Soweit ist die Migros noch nicht gegangen. Und: Die erzielten Verbesserungen der Einkaufspreise sind für die Kundschaft nicht immer eins-zu-eins sichtbar. Oft wird das Blockbuster-Markenprodukt, das bei allen Händlern verfügbar ist, günstiger. Doch andere Produkte bleiben gleich teuer. Es kommt zu einer Querfinanzierung. Einzig wenn man erfolgreich tiefere Einkaufspreise aufgrund von gesunkenen Rohstoffpreisen einfordern könne, würde auch alle betroffenen Produkte entsprechend direkt vergünstigt, heisst es Migros intern.

Zudem spielt die Migros offenbar mit dem Gedanken, sich künftig der internationalen Einkaufsgemeinschaft Everest anzuschliessen, die 2020 gegründet wurde. Dank der gemeinsamen Macht von europäischen Händlern wie Edeka oder Picnic könnte sich die Migros in eine bessere Verhandlungsposition bringen mit den grossen Markenherstellern. Dafür – so ein Migros-Insider – müsse sie aber zuerst ihre Hausaufgaben erledigen und bei ihren eigenen Formaten eine harmonisierte Preisstrategie etablieren. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
79 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Merida
23.01.2026 07:14registriert November 2014
Das tolle an der Migros sind/waren doch die qualitativ gut bis sehr guten Eigenmarken. Der globalisierte Markenkampf sollte meines Erachtens nicht oberste Priorität haben.
824
Melden
Zum Kommentar
avatar
D.Enk-Zettel
23.01.2026 07:39registriert Oktober 2021
Ach ja die Ķonsumenten sind schuld, weil sie plötzlich zuviele der fehlenden Produkte kaufen. Selten so gelacht. Viel eher werden da wieder Preiskriege ausgetragen. Ich konnte es letzthin selbst feststellen bei einem Angebot. Nach 3 Wochen leerem Regalplatz wieder verfügbar, neu verpackt und teurer. Meine Güte Migros- Pressesprecher, bleibt bei den Tatsachen.
6311
Melden
Zum Kommentar
avatar
Dr. Rodney McKay
23.01.2026 07:45registriert September 2024
Ein erster Schritt wäre schon mal, in solchen Fällen die M-Budget oder Migrosvarianten vom untersten Regal auf das oberste Regal zu verfrachten und dies dann auch nach der Rückkehr der Produkte so zu lassen. Zumindest wenn der Unterbruch aufgrund von fragwürdigen Preiserhöhungen des Herstellers beruhen sollte. ;)
402
Melden
Zum Kommentar
79
Stallbrand in Detligen BE: Über 20 Schweine tot
Bei einem Stallbrand sind in Detligen BE in der Nacht auf Sonntag über 20 Schweine gestorben. Der Stall wurde stark beschädigt.
Zur Story